Ring muss sich von Diensten im Rainer-Bernhard-Haus trennen, aber das Angebot bleibt erhalten

Letztlich blieb keine andere Wahl mehr

Zum 01.07.2026 gab es einschneidende Veränderungen im Rainer-Bernhard-Haus des Ring Freiburg e.V. Die dort bislang von der Tochtergesellschaft Ring Freiburg gGmbH betriebenen Wohngruppen (sog. „Besondere Wohnform“) sowie die daran angegliederte Tagesstruktur sind im Rahmen eines Teilbetriebsübergangs auf den Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. übergegangen, der die entsprechenden Räumlichkeiten im Rainer-Bernhard-Haus dafür vom Ring angemietet hat.
Seit der Corona-Krise gelang es der Ring-Tochter, unter deren Dach sämtliche professionellen Dienste vereint sind, nur noch – wie auch vielen anderen kleineren Trägern – mit erheblichem Aufwand, ausreichend pflegerische Fachkräfte zu finden. Erschwerend hinzu kam seit einigen Jahren, dass sich infolge der knappen Kassen der Kommunen die Entgeltverhandlungen mit der Stadt Freiburg als örtlich zuständigem Eingliederungshilfeträger immer schwieriger gestalteten und letztlich zu keinem auskömmlichen Ergebnis mehr führten.
Dies lag nicht zuletzt auch daran, dass man die ordnungsrechtliche Verpflichtung, Fachkräfte als Nachtwachen zu stellen aufgrund des Fachkräftemangels seitens des Rings teilweise nur über teure Zeitarbeitskräfte sicherstellen konnte, zugleich sich die Stadt aber beharrlich weigerte, diese erheblichen Mehrkosten im Rahmen der Entgeltverhandlungen anzuerkennen.
Vor diesem Hintergrund kam die Ring Freiburg gGmbH letztlich nicht umhin, den schmerzhaften Schritt zu gehen und die nicht mehr weiter sicher zu stellenden Betriebsteile auszugliedern.
Diese Entscheidung ist den Ring-Verantwortlichen fürwahr nicht leichtgefallen.  Für Vorstand und Geschäftsführung, die das Rainer-Bernhard-Haus unter schwierigsten Rahmenbedingungen seinerzeit realisiert und das dortige Konzept der Vielfalt unter einem Dach entwickelt hatten, ist es extrem bitter, nach 14 Jahren dort zwei allseits geschätzte und fortschrittliche Angebote aus eigener Kraft nicht mehr fortsetzen zu können.
In den letzten Monaten wurde alles daran gesetzt, dass gleichwohl die pflegerische Versorgung und Begleitung der dortigen jüngeren Bewohnerinnen und Bewohner mit hohem Assistenzbedarf an deren angestammten Platz nahtlos weitergehen kann. Dies ist zum Glück in der Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. gelungen.
Beide Träger verfolgten dabei das gemeinsame Ziel, die bestehenden Wohn- und Unterstützungsangebote langfristig zu sichern und die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner auch künftig in hoher fachlicher Qualität sicherzustellen. Der Trägerwechsel ist deshalb nicht Ausdruck einer Veränderung des Angebots, sondern soll vielmehr dessen dauerhafte Fortführung ermöglichen, um den betroffenen Menschen mit Handicap auch künftig ein sicheres Zuhause sowie eine individuelle Förderung und Betreuung zu bieten, die ihre Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stärkt.
Beide Träger arbeiteten dabei eng zusammen, um diesen Übergang sorgfältig vorzubereiten.
Der Caritasverband Freiburg-Stadt ist der mit Abstand größte Anbieter von Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderung in der Regio und hat als solcher (z.B. mit einer eigenen Fachschule für (Heilerziehungs-)Pflege) ganz andere Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Der Caritasverband Freiburg-Stadt freut sich darauf, das Angebot der Besonderen Wohnform sowie des tagesstrukturierenden Förder- und Betreuungsbereichs (FuB) gemeinsam mit den übernommenen Mitarbeitenden, den Bewohnerinnen und Bewohnern, ihren Angehörigen sowie den Kooperationspartnern fortzusetzen und die bewährte Arbeit zukunftssicher zu gestalten.
Zugleich bleibt der Ring Freiburg e.V. Eigentümer des Gebäudes und betreibt weiterhin in Eigenregie und in Kooperation mit der Ev. Sozialstation dort das sog. Ambulante Service-Wohnen.  In den dafür im Haus befindlichen 39 rollstuhlgerechten (vornehmlich 2-Zimmer-) Wohnungen können die Mieterinnen und Mieter (i.d.R. alleinstehende Menschen mit Handicap, die einer regelmäßigen Hilfe bedürfen) auf ein vielfältiges Unterstützungsangebot und Assistenz und Pflege rund um die Uhr bauen.

Die Ring Freiburg gGmbH bietet zudem weiterhin das Angebot einer sozialpädagogischen Unterstützung im Rahmen des sog. Ambulant Begleiteten Wohnens in der eigenen Häuslichkeit an. Mit über 70 Menschen, die hier in den Häusern des Rings, aber auch darüber hinaus im Freiburger Stadtgebiet kontinuierlich begleitet werden, stellt dieser Dienst weiterhin eine wichtige Säule in der Eingliederungshilfelandschaft dar.

Auch das weitere Angebot des Rings, das von der Ernst-Winter-Wohnanlage am Freiburger Seepark über vielfältige Sportangebote bis hin zu zahlreichen Gruppen- und Freizeitangeboten reicht, ist von diesem Teilbetriebsübergang nicht betroffen.

Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeitenden der Besonderen Wohnform und des FuB. Über viele Jahre hinweg haben sie mit Engagement, Fachlichkeit, Herz und Ausdauer dazu beigetragen, Menschen zu begleiten, zu fördern und ihnen ein verlässliches Zuhause zu geben. Ihr täglicher Einsatz hat diese Angebote geprägt und mit Leben gefüllt.

Und da nahezu alle Beschäftigten den Betriebsübergang mitvollzogen haben, ist für die Bewohnerschaft zum Glück diese wichtige Konstante erhalten geblieben.

Beachten Sie auch den BZ – Artikel vom 21.07.2026